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IM SPOTLIGHT: NGOC ANH WALTER

26. Aug.
5 Min. Lesezeit

Ngoc Anh Walter ist eine deutsche All-Star Tänzerin, mit der Besonderheit, dass sie die erste weibliche Tänzerin in ganz Europa ist, die als Leader die All-Star Division erreicht hat. Im Interview mit uns berichtet sie.


Stell dich gerne kurz vor. Wer bist du?

Ngoc Anh Walter (Ngoce, Ngoc, Gnocchi), 30 Jahre, she/her, Logistik Managerin


Wie bist du zum WCS gekommen?

Durch zwei sehr gute Freunde, die damals in derselben Tanzschule Standard und Latein getanzt haben: Christoph Steinmaier und Livia Thannabaur haben mich aus den Fängen des Turnier-Lateintanzes gezogen.




Du bist 2022 das erste Mal in Newcomer angetreten, dieses Jahr hast du deine ersten All-Star Punkte gesammelt. Wie blickst du auf die letzten 4 Jahre?

Die letzten vier Jahre waren ein Auf und Ab beim Tanzen. Auch wenn ich in den Competitions gut abgeschnitten habe, habe ich lange nicht verstanden, wie der Tanz tatsächlich funktioniert. Ich würde sagen, dass ich erst seit gut einem Jahr wirklich verstanden habe, wie er aufgebaut ist und welche Möglichkeiten es gibt, einen schönen und einzigartigen Tanz zu gestalten. Seitdem ist der Spaßfaktor noch einmal um 100 % gestiegen.


Du bist nicht “nur” All-Star, sondern der erste weibliche Leader Europas, der den All-Star Status erreicht hat. Was bedeutet das für dich?

Für mich ist das immer noch wie in einem Traum. Als ich mit West Coast Swing angefangen habe, hätte ich mir nie erträumt, irgendwann All-Star zu werden. Erst recht nicht als Female Leader – und dann auch noch sehr klein. In der Welt des Lateintanzes hat man mir immer gesagt, dass ich deswegen niemals gleich behandelt werden würde, da man das nicht gleichsetzen könne. Ich dachte, das wäre bei allen Tänzen so. Umso stolzer macht es mich, der erste Female Leader der All-Star-Division in Europa zu sein (ein sehr langer Titel! 😄), um auch anderen Frauen zu zeigen, dass es ganz egal ist, welche Rolle sie tanzen und wie groß sie sind.

Ich möchte noch viel mehr Leute erreichen, die vielleicht unsicher sind, ob sie als Frau leaden oder als Mann followen wollen, und ihnen zeigen, dass es keineswegs unmöglich ist. Ich fühle mich sehr geehrt, für einige Menschen eine Art Vorbild sein zu dürfen.




"Ich möchte noch viel mehr Leute erreichen, die vielleicht unsicher sind, ob sie als Frau leaden oder als Mann followen wollen, und ihnen zeigen, dass es keineswegs unmöglich ist."








Wie würdest du es einschätzen, was bedeutet es für die Community?

Für die Szene ist es gut zu sehen, dass West Coast Swing wirklich ein Tanz für alle ist – ganz egal ob klein, groß, Mann, Frau, jung oder alt.

Es können wirklich alle mit allen tanzen und einen wunderschönen Tanz kreieren. Ich denke auch, dass es Menschen, die uns auf Social Media sehen, noch mehr dazu motivieren kann, den Tanz auszuprobieren.

So kann die Community noch weiter wachsen.


Deiner Turnier-Karriere kann man entnehmen, dass du von Anfang an als Leader angetreten bist. Wie hast du “deine” Rolle gewählt?

Ich habe bereits damals beim Lateintanz die Rolle des Leaders übernommen. Das lag allerdings an dem einfachen Grund, dass es vor 15 Jahren nicht genügend Jungs gab, die tanzen wollten. Da eine gute Freundin und ich weiterhin einen Tanzkurs besuchen wollten, habe ich

beschlossen, die Rolle des Leaders zu übernehmen, damit wir zusammen den Kurs machen konnten.

Mein Gedanke damals war: „Wenn die Jungs das können, dann kann ich das erst recht – und noch besser!“

So kam ich zum Leaden und habe es bis heute keinen einzigen Tag bereut.


Was fasziniert dich beim Leading? Was macht die Rolle für dich aus?

Ich mag es, die Kontrolle beim Tanz zu haben – oder zumindest so zu tun, als hätte ich sie. Die größte Faszination ist für mich wahrscheinlich, meinen Followern den Freiraum zu geben, den sie brauchen, um sich selbst im Tanz einzubringen. Für mich ist der Leader sozusagen der Spielmacher. Leader haben oft mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf: Phrase Changes, Space Awareness, Patterns etc. Ich glaube, wenn man das alles meistert, ohne es sich anmerken zu lassen, gibt das dem Follower eine Art von Sicherheit

und für mich ist das das wichtigste am Leader sein.


Vielleicht als Folgefrage dazu: Was macht für dich einen guten Tanz aus?

Ein guter Tanz ist für mich eine ausgeglichene Diskussion zwischen Leader und Follower. Eine Person gibt vor, in welche Richtung es gehen soll, und die andere Person entscheidet, was am Ende das Ziel ist. Ich persönlich habe die besten Tänze, wenn ich merke, dass mein Follower Spaß hat und sich wohlfühlt. Ganz egal auf welchem Level die Person ist: Solange ich ihr ein gutes Gefühl geben kann, ist der Tanz für mich schon eine 10 von 10.


Zurück zur Szene. Wie siehst du die Rollenverteilung generell im WCS? Was muss

sich verändern, was ist gut so wie es ist?

Ich persönlich finde, dass es im West Coast Swing schon sehr ausgeglichen ist. In den

letzten Jahren sehe ich immer mehr Menschen, die nicht in der traditionellen Rolle tanzen

– ganz egal, ob es ihre Main- oder Second-Role ist. Vor allem Higher-Level-Follower

tanzen jetzt öfter als Leader, ob in Competitions oder in Workshops. Natürlich ändert das

nichts an dem Überschuss an Followern, den es so gut wie in jeder Tanzszene gibt, aber

es ist schon mal ein Anfang. Was sich ändern müsste, ist, dass es auf Events mehr Plätze für Switch-Tanzende geben sollte (also Personen, die sowohl als Leader als auch als Follower tanzen). Ihnen müsste man meiner Meinung nach öfter die Chance geben, sich anzumelden und dann in denKursen so eingeteilt zu werden, wie es gerade benötigt wird. Derzeit darf man sich bei den meisten Events nur mit seiner Main-Role anmelden. Das heißt für viele, dass sie auf

die Warteliste kommen und das Event zu 90 % nicht besuchen können. Da müsste man

mehr Möglichkeiten schaffen, damit die Leute die Chance haben, in ihrer Second-Role zu

tanzen und Workshops zu besuchen.


Siehst du Veränderungen in der Geschlechter- und Rollenverteilung in der Szene?

Wie oben bereits erwähnt, sehe ich generell mehr „Degendering“-Tänzer:innen. Persönlich merke ich das, weil mich mehr Leute ansprechen und sagen, dass sie mich auf Social Media gesehen und sich ein Beispiel an mir genommen haben. Das freut mich natürlich sehr!

Tanzen sollte für alle gleich sein, und ich kenne kaum einen anderen Tanz,

bei dem es so viele High-Level-Tänzer:innen gibt, die das vorleben. Das zeigt, dass es

sich in die richtige Richtung bewegt und wirklich alle Tänzer:innen gleichbehandelt

werden – egal, in welcher Rolle sie tanzen.


Was ist der beste/ dein Lieblings-Tipp, den du hier weitergeben möchtest?

Als kleine Frau, die als Leader tanzt, kann ich den Tipp geben: Man muss keine Angst vor

Drops oder Dips haben. Mit der richtigen Technik ist alles möglich! 😊


Findet Ngoc auf Instagram unter @retlawecogn


 
 
 

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